Kfz Daten
In den neu gebauten Werken des russischen Herstellers VAZ (Volga Avtomobil Zavod - ”Wolga Automobil Werk“) suchte man in den 70ern verzweifelt nach einem Namen, unter dem die Produkte des Automobilherstellers im Ausland gut vermarktet werden konnten. So kam es bei der Namensausschreibung unter den Mitarbeitern zu dem Vorschlag eines pfiffigen Mechanikers - ”Lada“. Im Russischen gilt das Wort als weiblicher Kosename und bedeutet soviel wie ”die Geliebte“.
Als Geburtsdatum des russischen Konzerns gilt der 27. Juli 1966, als der Beschluss der Regierung über den Bau eines großen Automobilwerkes in Kuibyschewr (heute Samara) gefasst wurde. Das neue Werk sollte 600.000 Pkw jährlich herstellen. Schnell holte die Regierung auch einen internationalen Partner, der das technische Know-how liefern sollte. Die Wahl fiel leicht auf den italienischen Hersteller FIAT, in dem die Kommunistische Partei Italiens eine starke Position hatte. Im August 1966 wurde das Generalabkommen über die Zulieferung von Ausrüstung, Technologien und Lizenzen für das Management der Herstellung von Kraftwagen abgeschlossen.
Bereits im April 1967 rollten die ersten Autos vom Band – die ”Shiguli“, die später in ”Lada“ umbenannt wurden. Als Grundlage diente der FIAT 124, der in diesem Jahr zu ”Auto des Jahres“ gewählt wurde. Der italienische Verkaufs-Renner wurde natürlich den russischen Verhältnissen angepasst – die Karosserie und die Heizung wurden verstärkt und das Fahrwerk bekam eine weichere Abstimmung. Das erste Modell von ”Shiguli“ - der VAZ-2101 – wurde schnell zum populärsten Auto nicht nur in Russland, sondern im gesamten Ost-Block. Die Jahresproduktion betrug im ersten Jahr (1970) 200.000 Fahrzeuge, steigerte sich aber bis 1973 auf 600.000 Stück. Der VAZ-2101 besaß allerdings nicht den Stil und die Finesse des italienischen Mustermodells, zeichnete sich aber durch niedrigen Neukaufpreis und Ausdauer aus (eine Generalreparatur wird nur dann erforderlich, wenn das Auto eine Strecke zurückgelegt hat, die 10 Fahrten von Moskau nach Wladiwostok gleich ist – 93.200 km).
1977 startete VAZ die Produktion des Geländewagens Niva, der bis heute unverändert produziert und in Russland sowie im Ausland angeboten wird. Ab 2003 wird allerdings auch der Chevy Niva (ausschließlich in Russland) vermarktet, der in Kooperation mit General Motors entwickelt wurde.
Die vom Fiat 124 abgeleiteten Lada-Modelle (Lada 1200, Lada 1300, Lada 1600 und Lada 1300s) wurden Anfang der 80er von der Limousine 2105 und dem Kombi 2104 abgelöst, die auch in Deutschland als Lada Nova und in England als Lada Riva vertrieben wurden. 1984 erschien der Lada Samara – eine komplette Neukonstruktion, die bis 2005 hergestellt wurde. Der Samara stellte eine neue Ära in der Produktionslinie des russischen Herstellers dar – das Modell bot eine Alternative zu den kostspieligen Fahrzeugen aus dem Westen - ein innovatives Design, Frontantrieb und Einzelradaufhängung.
1999 wurden die Vertriebsrechte an die Lada Automobile GmbH übertragen. Momentan hat der Konzern einen Marktanteil von ca. 1% am Bruttosozialprodukt Russlands. Das Hauptwerk befindet sich in Togliatti, früher Stawropol, in der Region Samara. Ladas werden aber unter Lizenz auch in der Ukraine, Kasachstan, Uruguay, Ägypten und Ecuador hergestellt. Heute ist AvtoVAZ der größte Hersteller von Personenkraftwagen in Russland und Osteuropa.
Trotz stark wachsender Import-Konkurrenz beherrscht Lada immer noch knapp die Hälfte des mächtigen russischen Marktes. Stückzahl-Spitzenreiter ist der nur zaghaft renovierte Ur-Lada namens Shiguli, der auf der Basis von dem Fiat 124 entwickelt wurde – die 2000-Reihe.
Der Fahrer des Ladas muss auf verlockenden Luxus verzichten – der Russe bietet keine Airbags, ABS, ESP oder verstellbare Sitze. Dafür gehört er in seiner Klasse zu den billigsten Modellen, die auf dem deutschen Markt erhältlich sind. Für knapp 9000 Euro gibt es einen geräumigen Kombi mit drei Jahren Garantie. Gegen einen Aufpreis von 1900 Euro bekommt man auch die Autogas-Version. Zwar gibt der Hersteller eine Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h an, der manuell von innen verstellbare Spiegel beginnt aber ab Tempo 100 stark zu zittern.
Genauso schwierig ist es an den Niva mit modernen Bewertungsmaßstäben heranzugehen, dafür ist aber der russische Geländewagen in seiner Klasse das zweifelsohne billigste Modell. Für 10.000 Euro bekommt man einen richtigen Geländewagen ohne kostspieligen Luxus. Von innen riecht der Niva nach Kunststoff und von der Optik her verströmt ein 80er-Jahre Flair. Die Verarbeitungsqualität ist dürftig, dafür sind die verwendeten Materialien recht strapazierfähig gewählt. Die Vordersitze sind bequem, lassen sich aber nicht in der Höhe verstellen. Ein großer Pluspunkt ist der Spritverbrauch. Insbesondere mit der Autogas-Anlage kann man die Spritkosten erheblich senken. Das Auto fährt mit demselben Motor entweder mit Benzin oder mit Gas - neben dem normalen Benzin-Tank gibt es einen 60-Liter-Gastank, der im Heckbereich am Wagenboden befestigt ist.