Kfz Daten
Am 29. November 2006 feierte der Konzern Lancia sein 100-jähriges Jubiläum. Gegründet wurde das Unternehmen 1906 von den zwei Freunden Vincenzo Lancia und Claudio Fogolini. Mit einem Startkapital von 100.000 Lire verwirklichten sie ihren Traum, eine Automobilfabrik zu gründen, in der ”die besten Autos mit der modernsten Technik“ produziert werden. Innovation und Eleganz sowie Individualität und Luxus sollten die Lancia Automobile auszeichnen.
Der begeisterte Fahrzeugmechaniker Vincenzo Lancia setzte sein ganzes Engagement für die Firma ein und die Firma konnte sofort die ersten Erfolge erzielen.
1908 erschien der erste ”Lancia“ - der 12 HP. Leistung und Drehzahl des 2,5-Vierzylindermotors liegen mit 24 PS bei 1450 Drehungen/ Min deutlich über dem Niveau der Wettbewerber. Das im Jahr 1913 präsentierte Modell setzt die Linie der Innovation fort – der Lancia Theta ist das erste Auto, das serienmäßig elektrische Anlage bietet.
1915 meldet Lancia erstmal einen V-Motor zum Patent an. Das ist ein acht-Zylinder mit 60 Grad Zylinderwinkel. Und nur drei Jahre später, 1918, patentiert der ehrgeizige Firmengründer den ersten Zwölfzylinder-Flugmotor mit nur 30 Grad Zylinderwinkel, was eine Revolution in der Flugmechanik darstellt.
1922 präsentiert der Hersteller auf dem Pariser Automobilsalon ein Modell, das Geschichte schrieb – Lancia Lambda ist das erste Auto mit einer selbst tragenden Karosserie-Struktur, Einzelradaufhängung mit Teleskop-Fernbedienung und V-4-Motor mit nur 14 Grad Zylinderwinkel. Aber auch das Design begeistert das Publikum: Die zwei Millimeter starke Stahlbleche bilden einen Skelettrahmen. In Verbindung mit den hochgezogenen Seitenteilen bietet diese Bauweise eine extrem hohe Verwindungssteifigkeit.
Das Innovative wird schnell zum Markenzeichen des ”Lancia“-Konzerns. Auch das im Jahr 1937 vorgestellte Modell – Lancia Aprilla – begeistert Publikum und Presse. Das Mittelklassemodell von Lancia bietet vier einzeln aufgehängte Räder, großen Innenraum und aerodynamisch optimierte Karosserie. Der V4-Motor mit 17 Grad Zylinderwinkel beschleunigt der Aprilla mit 47 PS zu einer Höchstgeschwindigkeit von 125 km/h.
Schon 1950 manifestiert die erste Neukonstruktion nach dem zweiten Weltkrieg die bereits bekannte Linie der Innovation und Eleganz: der legendäre Lancia Aurelia wird von dem weltweit ersten Leichtmetall-V6-Motor betrieben. Der Aurelia bietet außerdem eine komplette Einzelradaufhängung, Transaxle-Bauweise, Stahlgürtelreifen sowie eine selbst tragende Karosserie ohne Mittelpfosten.
Trotz einer ganzen Reihe von erfolgreichen Modellen, wie etwa der Flaminia und der Flavia, schreibt Lancia Ende der 60er rote Zahlen. Das Unternehmen wird durch staatliche Mittel subventioniert und schließlich 1969 an den Fiat-Konzern verkauft, dem die Marke bis heute gehört.
In den 70ern produziert Lancia weiterhin erfolgreiche Modelle innerhalb des Fiat-Konzerns. Mit dem Lancia Beta zum Beispiel dokumentiert das Unternehmen seine Kreativität in der Mittelklasse. Besonders auffällig an dem neuen Modell ist das eigenständige Kombi-Coupe Beta HPE in Verbindung mit einem Kompressor-Motor.
Die Linie der technischen Innovation und Designer-Extravaganz zeichnet auch die heutigen Modelle von Lancia aus. Technische Avantgarde offeriert zum Beispiel das 1984 vorgestellte Modell ”Thema“: Der Zwieliter-Turbomotor bietet 165 PS, zwei Ausgleichswellen und Overboost-Funktion. Mitte der 80er erschient auch das sportliche Modell des Thema – 8.32. Das Auto wird von einem 215 PS starken Achtzylindermotor von Ferrari betrieben und beeindruckt die Connaisseurs mit einer Höchstgeschwindigkeit von 280 km/h.
Zu Beginn der fünfziger Jahre startet Lancia erstmals als Team bei Rennen und Ralleys. Das erste von Lancia selbstständig entwickelte Modell ist der Aurelia B 20. Die großen Erfolge lassen nicht lange auf sich warten – Lancia wird zum Klassensieger beim legendären 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1951 und 1952, Gesamtsieger bei der Rallye Monte Carlo 1954 und 1953 bei dem Lüttich-Rom-Lüttich-Rennen.
Der 27. März 1955 gehört zweifelsohne zu den wichtigsten Daten in der Unternehmensgeschichte – an diesem Tag gewinnt die Marke den Grand Prix von Turin. Den Grand Prix von Monaco beendet der Lancia-Fahrer Eugenio Castelloti auf Rang zwei.
Der Sohn des Unternehmensgründers Givanni Lancia sieht sich im selben Jahr allerdings dazu gezwungen, den Ausstieg der Firma aus der Formel 1 zu verkünden. Die Ursache dafür ist das tragische Ende des Formel-1 Weltmeisters und Lancia-Werksfahrers Alberto Ascari, der bei einem Privattraining in Monza tödlich verunglückt. Giovanni Lancia schenkt sechs von acht gebauten Lancia D 50-Boliden an die Scuderia Ferrari, die dann beim Rennen für den Großen Preis von Italien am 11. September 1955 eingesetzt werden.
Erst 1964 kann Lancia in den internationalen Motorsport mit dem Privat-Team von Cesare Fiorio HF Squadra Corse zurückkehren. Das Team wird schnell zu einer Sensation, als es den Coup des Alpes, die Rallye di Firoi, die Rallye San Remo, die RAC Rallye Großbritannien, die Rally Espana und den Marathon de la Route gewinnt. 1972 etabliert sich Lancia als die dominierende Marke im Motorsport, besonders nach dem Sieg von Sandro Munari bei der Ralley Monte Carlo. Umso logischer erscheint auch der Sieg des Unternehmens bei der neu eingeführten Rallye-Markenweltmeisterschaft zum Ende der Saison 1972.
1987 ist die Rallye-Weltmeisterschaft für seriennahe Gruppe-A-Fahrzeuge ausgeschrieben. Mit dem allradgetriebenen Delta HF 4WD gewinnt Lancia auch diesen Titel. Der Zenit erreicht die Marke allerdings erst 1990 und 1991 als sie die vierte und fünfte Rallye-Markenweltmeisterschaft gewinnt. Somit ist Lancia bis heute der erfolgreichste Automobilhersteller im Rallye-Sport.
Lancia ist zweifelsohne einer der traditionsreichen Automobilhersteller in Europa. Im Jahr 2006 gab es auch Grund zu einer großen Feier – den hundertsten Geburtstag. Ihre Selbstständigkeit hat die Marke allerdings längst eingebüßt – seit 1969 hat der Fiat-Konzern das Sagen. Lancia als kleine Marke in dem Vierer-Verbund mit Alfa Romeo, Fiat und Maserati ist für die feinen, luxuriösen Modelle zuständig. Ein Lancia ist immer ein Automobil mit innovativem Anspruch, das ästhetische Akzente setzt und einen eigenständigen, individuellen Auftritt pflegt.
Beim ersten Anblick kann der Lancia Thesis mit zwei schildförmigen Leuchten und dem kleinen Grill etwas altmodisch wirken, aber auch provokativ und extravagant. Geschmackvoll gestylt ist auch das Coupe: Die Atmosphäre im Thesis ist luxuriös. Die Armaturenträger aus Holz sorgen für Gemütlichkeit und die Instrumente – zwei große Rundskalen und zwei kleinere kreisförmige Anzeigen - wirken schlicht und hochwertig. Ein großer Vorteil, der einem nicht unbedingt sofort auffällt, ist die elektronische Parkbremse, die automatisch beim Abstellen des Motors eingelegt wird. Der Kofferraum ist ein weiteres Highlight: Mit seinem Volumen von 480 Liter bietet er ausreichend Platz sogar für Großfamilien.
Das neue Topmodell des italienischen Herstellers wird sowohl als Benziner, als auch mit Diesel-Motor angeboten. Der 185-PS-starke Zweiliter-Benziner hinterlässt einen kräftigen Eindruck. Das Drehmoment liegt bei 2.200 U/min und 308 Nm, die für ein unvergleichbares Fahrerlebnis sorgen. Der 2,4-Liter-Diesel zieht mit seinen 150 PS auch recht gut, obwohl er mit der Stärke des Benzin-Motors nicht mithalten kann.
Auch bei dem Kleinwagen Lancia Musa muss man nicht auf Annehmlichkeiten verzichten. Die kompakte Van-Form erfreut schon beim Einsteigen und Platz nehmen. Die Farben, beige und braun, komplettieren geschmackvoll den Bronzeton der Armaturenträger und der Mittelkonsole. Das Platzangebot erstaunt bei der kleinen Gesamtlänge. Die Sitze lassen sich bequem einstellen und machen den Musa langstreckentauglich. Der Motor ist leise und sparsam. Als 1,4-Liter-Benziner bietet er 95 PS und 175 km/h Höchstgeschwindigkeit. Die italienischen Konstrukteure legen offensichtlich viel Wert auf Sicherheit: der Musa besitzt Front- und Seitenairbags und Bosch-ABS mit Bremskraftregler in der Serienproduktion.