Kfz Daten
Die Geschichte eines der traditionsreichsten Automobilhersteller Englands beginnt mit der Fertigung von Fahrrädern und Nähmaschinen.
1870 gründen James und John Kemp Starley und William Hillman die Firma Ariel Cycles. Das erste Fahrrad – the tricky spirit – wird schnell zu einer Sensation. Obwohl es eine Ganzstahlkonstruktion ist, ist es viel leichter als seine Wettbewerber. Dank verstellbarer Tretkurbeln und anderer mechanischen Novitäten werden mit dem Ariel-Hochrad bis zu 24 km/h erreicht.
Der Name ”Rover“ erscheint zum ersten Mal im Jahr 1884. Getragen wird er von einem extravaganten Dreirad, das mit Händen und Füßen angetrieben wird. Im Laufe des Jahres erhalten alle Räder der Firma die Bezeichnung ”Rover.“
1885 übernimmt John Kemp Surley als alleiniger Besitzer die Firma und benennt sie in ”J. K. Starley & Co“ um. Sein erstes Produkt sorgt sofort für Aufsehen: Es ist ein Fahrrad, das vorne und hinten gleich hohe Räder hat und mittels Tretkurbeln und Kette am Hinterrad angetrieben wird.
Bis 1896 entwickelt sich die Fahrradproduktion so schnell, dass die alte Firma liquidiert wird und die Direktoren eine neue Firma gründen: die ”Rover Cycle Company“, benannt nach ihrem bekanntesten Produkt.
1904 präsentiert das Unternehmen sein erstes Automobil – den Rover ”Eight“. Entwickelt wurde es von Chefingenieur Edmund W. Lewis. Das Einzylinder-Auto mit 8 PS aus wassergekühlten 1.327 ccm bietet für seine Zeit ein revolutionäres Chassis aus Aluminiumguss.
Nichts kann nun den Aufstieg der Firma aufhalten. Gleich im nächsten Jahr folgt auch das zweite Modell von Rover – der Rover ”Six“. Er hat ein einfaches Fahrgestell aus Holz und Stahl mit halb-elliptischen Federn. Sein wassergekühlter Einzylinder holt 6 PS aus 780 ccm.
Die Marke etabliert sich schnell auf dem englischen Markt. Produktions- und Verkaufszahlen steigen kontinuierlich und im Jahr 1913 erreicht die Produktionsquote die Marke 1.500. Bevor die Herstellung ziviler Fahrzeuge 1914 eingestellt wird, verkauft Rover noch 1.943 Automobile.
Das erste Modell der Firma nach dem Ersten Weltkrieg ist der Clegg Twelve, der speziell für die Mittelschicht entwickelt wurde. Er wird mit einem neuen, demontierbaren Zylinderkopf gebaut und seine Motorleistung steigt um etwa 50%. Der ”Clegg Twelve“ hat aber nicht den erwarteten Erfolg und die Lage der Firma bleibt in den ersten Nachkriegsjahren instabil.
Erst der 1920 entwickelte Rover Eight kann die Firma wieder ins große Automobilgeschäft bringen. Er leistet 14 PS bei stolzen 1.800 U/min und erreicht eine Geschwindigkeit von 35 mph. Insgesamt werden 17.000 Rover Eight hergestellt und das Modell bleibt bis 1925 in Produktion.
Trotz dieses Erfolges, schrammt Rover während der ersten Hälfte der 20er Jahre stets am Bankrott entlang. 1926 scheint das endgültige ”Aus“ gekommen zu sein: Leitung und Mitarbeiter wechseln ständig und die Firma macht rund 4.000 Pfund Verlust pro Woche. Eine Reihe von wenig erfolgreichen Modellen, wie der Rover Ten zum Beispiel, machen die Situation noch schwieriger. Im Zuge einer dramatischen Aktionärsversammlung löst Frank Searle den bisherigen Chef Wyley an der Spitze des Unternehmens ab. Aber auch der Führungswechsel bringt noch nicht den gewünschten Aufschwung mit sich.
Erst nachdem im Jahr 1933 eine komplett neue Palette im Mittelklassen-Segment entwickelt wurde, kann das Unternehmen wieder aufatmen. Die von den Brüdern Wilks entwickelte Serie bietet für alle Modelle Sechszylinder-Motoren. Der Speed Fourteen, der leistungsstärkste Wagen der neuen Serie, erreicht mit seinem 54-PS-Sechszylinder rund 130 km/h. Damit beginnen die erfolgreichen Jahre für Rover. 1935 sind die Schulden aus den Jahren der Depression endlich getilgt.
Während des Zweiten Weltkrieges werden die meisten Werke von Rover zerstört. Für eine kurze Zeit verlegt der Hersteller die Produktion in leer stehende Baumwollspinnereien in Lancashire und in beschlagnahmte Fabriken in Yorkshire.
Nach dem Krieg rettet nur ein Wunder den Hersteller von dem Konkurs und dieses Wunder heißt ”Land Rover.“ Das Modell wird 1946 entwickelt. Es dient der Erweiterung der Produktion und richtet sich vor allem auf den Export, um höhere Stahlzuteilungen zu erhalten. Das neue Modell setzt sich zügig durch und bis 1949 erreicht die Produktion Quote 8.000. Die stabile finanzielle Lage ermöglicht zudem die Entwicklung neuer Modelle. 1949 erscheint der Rover Cyclop und 1950 – der XT1. Beide Fahrzeuge etablieren sich schnell auf dem europäischen Markt.
Für die weiter steigende Land-Rover-Produktion werden neue Fabrikgebäude errichtet. Bis zum Herbst 1954 verlassen insgesamt 200.000 Allradler die Werke des Herstellers. Die Lage der Firma scheint nun gesichert zu sein.
In dem nächsten Jahrzehnt baut Rover eine ganze Reihe erfolgreiche Modelle. Dazu fallen der 1958 vorgestellte P5, gefolgt vom P6 1960 und der Gasturbinenwagen T4 aus dem Jahr 1962, der über Frontantrieb, eine modifizierte Achse und Frontwege der Abgasführung durch den Kardantunnel verfügt.
1967 wird der Zusammenschluss von Leyland-Triumph und Rover besiegelt. Nur ein Jahr später fusionieren mit Zustimmung der Regierung die Leyland-Gruppe und die BMH (British Motor Holding) zur BMLC (British Leyland Motor Corporation). Jetzt sind nahezu alle britischen Automobilhersteller unter einem Dach vereint. In der neuen Allianz findet sich Rover, neben Triumph und Jaguar, in der Abteilung für Sondermodelle wieder.
Anfang der 1970er befindet sich der Konzern erneut in einer äußerst schwierigen finanziellen Lage. Vielfältige Umstellungen im Unternehmen, das Eröffnen und Schließen von Abteilungen bringen große Unruhe. Die Produktaktivität sinkt enorm, die Qualität und Arbeitsleistung, auch in den oberen Etagen gehen an den Nullpunkt und 1974 kommt es zur Verstaatlichung des Konzerns. Unter staatlicher Führung läuft 1976 der millionste Land Rover vom Band. Das erfolgreichste Modell der Firma wird mit Ausnahmen von Albanien und Nordkorea in allen Ländern der Welt verkauft.
1975 kommt es zur Umstrukturierung: Alle Pkw-Hersteller innerhalb von British Leyland, mit Ausnahme von Jaguar , werden in eine Firma, Leyland Cars, zusammengefasst. Der neue Konzern gehört zu 95 % dem Staat. Das stellt auch das Ende der selbstständigen Geschichte Rovers dar.
Immerhin benennt sich der gesamte Konzern 1988 in Rover Group um. Erste Modelle, die unter dem neuen Namen gebaut werden, sind die auf Honda basierenden Rover 400 und 600.
1994 wird die Rover Group von BMW übernommen. Der deutsche Konzern erzielt aber nicht den erwarteten Erfolg durch die Fusion und verkauft im Jahr 2000 seinen Anteil (bis auf die Marken MINI, die weiterhin von BMW gebaut wird, und Land Rover, die heute von Ford hergestellt wird). . Eigentümer der verbleibenden Rover Group wird die Phoenix-Venture Group im Besitz von vier Geschäftsleuten aus Birmingham, die Rover für symbolische 10 Pfund von BMW aufkaufen.
Zum Anfang des neuen Jahrhunderts findet sich das Unternehmen in der tiefsten Krise seiner Geschichte. 2004 laufen nur 100.000 Automobile vom Band der Rover-Werke, das sind nur die Hälfte der notwendigen Anzahl, um die Gewinnschwelle zu erreichen. Am 7.April 2005 meldet die MG Rover Group Konkurs an.
Wie der Phönix schafft es die Marke sogar die schwierigsten Katastrophen zu überleben und es scheint als ob die letzte Krise nicht das endgültige Aus für sie bedeutet. Im Juli 2005 kauft der chinesische Konzern Nanjing Automobile Corporation die Vermögenswerte von MG Rover. Ab Anfang 2007 sollen wieder Modelle mit dem Namen Rover in Großbritannien und Spanien verkauft werden.